Über Gummibärfreundschaften und vergessene Realität

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Über Gummibärfreundschaften und vergessene Realität

Über Gummibärfreundschaften und vergessene Realität

Ein herzliches Willkommen auf dem SocialSeoBlog. Nachdem Jakob am gestrigen Tag den ersten Artikel veröffentlicht hat und dabei kein Blatt vor den Mund genommen hat, liegt es heute an mir den zweiten Artikel zu schreiben. Doch worüber soll ich schreiben? Seit heut Morgen liege ich mit mir selbst im Clinch, da sich mir zwei Möglichkeiten bieten. Entweder ich berichte sachlich über die zunehmende  Anzahl der AdWords-Anzeigen in den Serps oder ich schreibe über ein Thema, das mir schon länger auf der Seele brennt und knüpfe damit an den Artikel von Jakob an.

Ich habe mich entschlossen meinen Emotionen einmal freien Lauf zu lassen und über das Thema zu schreiben, das mich in gewisser Weise „bedrückt“. Den Artikel über Google kann ich auch später noch veröffentlichen. Daher schreibe ich einfach mal drauf los.

Ich gehöre wie viele meiner Freunde der Generation der Digital Natives an. Ein Leben ohne Computer, Spielkonsolen und ähnlichem kennen wir gar nicht und können es uns auch gar nicht vorstellen. Einen Urlaub von 2 Wochen verkraften wir noch ohne Pc, aber der Mp3-Player liegt auch beim Südseeurlaub auf dem Handtuch und tut seinen Dienst. Diese Abhängigkeit von den Medien zeigt sich aber nicht nur an Mp3-Playern oder Konsolen sondern auch und sogar am besten am Beispiel des Internets.

Aristoteles hat einst gesagt, der Mensch ist ein Zoon  Politikon, ein Wesen, das eine Gesellschaft braucht, das allein nicht überleben kann. Was macht der Mensch? Richtig, er sucht sich Freunde. In der heutigen Zeit liegt vielen die eigentliche Bedeutung des Wortes Freund fern und es gibt daher nicht mehr nur einen besten Freund/in, nein, es gibt die erste, die zweite, die vierte und achte beste Freundin. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass morgen die achtbeste Freundin zur besten Freundin wird. Das nur mal so als kleiner Überblick über unsere momentane Situation, zu mindestens so, wie ich sie mitbekomme.

Jetzt sind wir aber an einen Punkt gelangt, wo wir Onlinefreundschaften schließen können. Es kommt nun nichtmehr darauf an, dass wir einen Freund an unserer Seite haben, dem wir uns anvertrauen können. Es geht mittlerweile vielmehr darum viele Freunde, nennen wir sie besser Kontakte, haben. Damit profilieren sich die meisten jungen Leute. Wer braucht schon 10 gute Freunde, wenn er doch 1200 Kontakte im Netz hat, die er selbstverständlich alle pflegen kann. Man unterhält sich auch mit jedem von ihnen, täglich. Es scheint eine neue Form der Begrüßung zu sein, die sich hier abzeichnet. Früher hat man das neue Nachbarskind mit einer Tüte Gummibären begrüßt und gefragt, ob man nicht befreundet sein will. Scheinbar verlangt die moderne Form der Gummibärfreundschaft, dass man jedem neuen Gesicht des Netzwerkes erst einmal die Freundschaft anbietet, bevor man den- oder diejenige überhaupt kennengelernt hat. So ist man mit der ganzen Welt befreundet, aber was hat man dann noch für die eigenen Freunde übrig? Freunde die jeden in der Schule mit einem reden, Witze reißen und Blödsinn machen. Ich kann nicht verstehen, warum man immer öfter versucht neue Freunde im Internet zu finden, wenn die eigentlichen Freunde nebenan wohnen? Was bedeutet dann noch das Wort Freundschaft?

Sieht man es als Freundschaft an 2000 Kontakte auf Twitter und Facebook zu haben, dann verstehe ich auch endlich, warum Google Freunde als Kontakte bezeichnet, denn nichts anderes sind die Personen, die man als seine Freunde bezeichnet nur weil man ihnen die Freundschaft angeboten hat. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum man versucht mit jemandem befreundet zu sein, der der Bruder von Annika ist, die wiederum die Freundin von Tanja ist, die mit Michael zusammen ist, der zufälligerweise mit Bernhard befreundet ist, den man dann selbst kennt. (So das ungefähre Motto von Lokalisten)

Wer mein Profil auf Facebook anschaut, der wird feststellen, dass ich selbst über 650 „Freunde“ habe, jedoch hat das bei mir auch einen Grund. Als DJ bekomme ich viele Freundschaftsanfragen, die ich dann aber auch nicht ablehne. Dennoch bezeichne ich sie als Kontakte, weil ich mit ihnen allen befreundet bin und es auch gar nicht kann. Freundschaften müssen meiner Ansicht nach gepflegt werden. Es genügt nicht, eine Flasche Bier auf den Tisch zu stellen und darauf zu hoffen, dass man ein weiteres Jahr befreundet bleibt. Man sollte sich treffen, Grillen, Bier trinken, ratschen und das nicht nur einmal im Jahr. Onlinekontakte kommen und gehen. Sie können einen nicht in den Arm nehmen wenn es einem dreckig geht, sie können Offline gehen, wenn sie keinen Bock mehr haben. Es ist also wichtiger denn je, sich darüber Gedanken zu machen, wie wichtig einem das Internet wirklich ist. Ich blogge hier und auf meinen Blog Deeblog, schreibe gelegentlich auch mal Gastartikel. Ich habe auch viele Bekanntschaften im Netz geschlossen, aber mir sind meine Freunde, die mich täglich umgeben dennoch wichtiger, als ein neuer Fan meiner Musik.

Das wollte ich mal loswerden. Wenn ich die Zeit finde, werde ich anschließend noch einen etwas sachlicheren Artikel über Suchmaschinenoptimierung schreiben, damit nicht der Eindruck entsteht, dass SocialSeoBlog für uns eine andere Art der Problembewältigung ist. Allerdings denke ich, dass wir dem Blog zunächst etwas Leben einhauchen müssen. Oder anders gesagt ihm eine persönliche Note verpassen müssen. Was nützt es wie alle anderen Blogs auch mit einem Artikel über die Vor- und Nachteile von Twitter einzusteigen.

Diskussion

2 Kommentare zu “Über Gummibärfreundschaften und vergessene Realität”

  1. Finde ich große Klasse, dass dieser Umstand mal zur Aussprache kommt. Mir ist es selbst schon passiert dass ich online Bekanntschaften machte, nur um Monate später fest zu stellen:
    Die wohnen nur zwei Straßen weiter!
    Man ist sich beim Einkauf und dem Weg zur Arbeit hier und da über den Weg gelaufen, wahr genommen hat man einander aber lange Zeit nur über Buchstaben auf einem Bildschirm.
    Ob ich solche Bekanntschaften auch ohne das Internet geschlossen hätte? Wohl eher nicht. Der Kreis meiner Bekanntschaften wäre in meinen Hobbies geblieben ohne zufällige Bekanntschaften aus “Langeweile” zu tätigen.
    Somit kann ich nicht nur schlechtes an dieser Form der Kommunikation sehen.

    Posted by Dieter König - Sarturia Verlag | August 19, 2010, 00:51
  2. Du hast sicherlich recht damit, dass es nicht nur Nachteile an Onlinebekanntschaften gibt. Das wollte ich damit auch nicht zum Ausdruck bringen.
    Doch wie oft ist die große Liebe aus dem Netz, statt der schönen Blonden mit Modelmaßen ein mit Bier und Chips getränkter 45jähriger Mann, der nicht mehr von der Couch kommt. Viele Menschen, vor allem eben viele junge Menschen sehen die Unterschiede zur Wirklichkeit nicht mehr. Im Netz kann ich auf einen Button mit der Aufschrift “Als Freund hinzufügen” klicken. Im realen Leben kann man nicht einfach zu jemanden hingehen und sagen: “Hey, wir sind jetzt Freunde”
    Wenn aus solchen Bekanntschaften Freundschaften entstehen ist das super, kenne ich auch und ist mir auch schon passiert. Aber für mich bedeutet Freundschaft etwas mehr als jemanden “hinzuzufügen”.

    Grüße

    Posted by Patrick Wienecke | August 20, 2010, 00:35

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