Streetview – Über das Versagen einer ganzen Gesellschaft

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Streetview – Über das Versagen einer ganzen Gesellschaft

Streetview – Über das Versagen einer ganzen Gesellschaft

Eigentlich hätte ich diesen Beitrag betrunken schreiben müssen. Warum? Weil mich dieses elende “Oh mein Gott, mein Haus steht im Internet” – Gehampel nicht mehr hören kann. Im Stundentakt hört werden auf der Straße Menschen interviewt, die überhaupt keine Ahnung haben. Die Presse klatscht Ihre Titelseiten voll mit nackten Rentnern auf Balkonen, die so in Streetview überhaupt nicht zu finden sind. Und überhaupt: Was zur Hölle ist schlimm daran ein Haus ins Internet zu stellen, dass so jeder sehen kann, der über die Straße geht? Richtig: nichts.

Es gibt nichts zu meckern. Das so gern in diesem Zusammenhang genannte Persönlichkeitsschutzrecht oder wie auch immer man das sonst nennen möchte, hört an der Hausfassade auf. So einfach ist das. An dem Foto eines geschlossenen Fensters ist nichts auszusetzen. Noch nichtmal an dem Foto eines geöffneten Fensters.

Niemand interessiert sich für Eure verschissene Spießerbehausung. Und ich bin empört darüber, was unsere Medienelite draus macht. Was Ihr daraus macht. Ihr, die Spießbürger. Die ewig gestrigen, die ängstlichen. Es könnte ja jemand sehen, dass ihr hinter der Hausfassade eben eines nicht steckt: Die heile Welt, in der Ihr alle leben wollt. Eine sensationsgeile Welt. Eine die Bild liest und diesem Müll glauben schenkt. Eine sich davor fürchtet etwas im Internet zu sehen, was auf der Straße ohnehin zu erkennen ist. Und zwar seit Jahren. Ich habe mich bisher geweigert in diesem Zusammenhang von Sightwalk zu sprechen. Denn damit kann ich schon seit mindestens 1,5 Jahren durch die Kölner Straßen wandern und meinen Nachbarn bewundern wie er einen Kasten Wasser trägt. Ich habe nur deshalb nicht darüber geschrieben, weil Sightwalk bisher in Ruhe gelassen wurde. Bis irgendein Journalist den Service fand, den es seit Ewigkeiten gab. Das führte dann allein im rankingCHECK Blog zu deutlich über 1000 Zugriffen auf einen monate alten Beitrag.

Und wozu hat diese Scheiße geführt? Ihr habt einen Service vernichtet. Derzeit findet sich auf der Sightwalk Seite nur noch folgender Hinweis:

Das Interesse scheint tatsächlich überwältigend zu sein. Denn jeder berichtet mitlerweile darüber. Und offenbar meint Ihr Euch mal wieder beschweren zu müssen. Ihr die Bildleser, die Spielßbürger. Ihr Vollpfeifen. Denn einer der beliebtesten Suchbegriffe für den o.g. Beitrag war, wie könnte es anders sein:

sightwalk wiederspruch

Wie kann man nur so verblendet sein. An Googles stelle und an Sightwalksstelle würde ich schlicht auf den Deutschen Markt verzichten. Denn bei den Bereits 120.000 Einsprüchen bei Google dürfte die hälfte der 20 Städte von denen wir hier reden bereits verpixelt sein.

Danke für den Fisch.

Diskussion

5 Kommentare zu “Streetview – Über das Versagen einer ganzen Gesellschaft”

  1. [...] herzliches Willkommen auf dem SocialSeoBlog. Nachdem Jakob am gestrigen Tag den ersten Artikel veröffentlicht hat und dabei kein Blatt vor den Mund genommen hat, liegt es heute an mir den [...]

    Posted by Über Gummibärfreundschaften und vergessene Realität | SocialSeoBlog | August 18, 2010, 17:04
  2. [...] Einen sehr schönen und auch emotionalen Artikel habe ich in den Weiten des Internets gefunden in dem mit sehr deutlichen Worten genau dieser Umstand angeprangert wird. Hier geht man sogar noch einen Schritt weiter und redet vom Versagen einer ganzen Gesellschaft. [...]

    Posted by Google Streetview: Ich bin dafür! | H.-Peter Pfeufer - Blog | August 18, 2010, 17:59
  3. [...] muss ich es nicht nochmal aufschreiben. Ich habe es bereits im SocialSeoBlog getan. Deswegen erspare ich mir weiteres bla bla. Nur so viel: Wir haben versagt. Als [...]

    Posted by Streetview – oder wie mich diese Nörgelei ankozt | buildblog | August 18, 2010, 23:19
  4. Vielen Dank für diesen wirklich passenden Artikel. Ich kann diese Phobie vor Google-Knipsern auch nicht verstehen.
    Was ist denn dabei, wenn man mein Haus sieht und mich beim Überqueren einer Straße festhält. So lange ich keine Dinge in der Öffentlichkeit mache, die mir peinlich sein sollten (und solche Situationen sollte man wirklich auf der Straße vermeiden, weil einen dort nicht nur Google-Kameras erwischen können), besteht doch kein Problem.
    Darf ich dann demnächst bei Sighseeing in fremden Städten auch nicht mehr fotografieren? Könnten ja schließlich meine Freunde/Bekannte sehen?
    In diesem Sinne: Sollte ich mal irgendwann ein Haus beitzen, darf Google gerne vorbeikommen…

    Posted by Jasmin | August 19, 2010, 08:24
  5. Ich habe mir auch schon ein Schild gebastelt, auf dem ich Google rechtherzilich Begrüße. Zudem habe ich schon den Druck eines haushohen Banners in Auftrag gegeben auf dem ich ein Bild von mir drucken lasse. Darunter meinen Namen, Alter und meine Facebook-Adresse. Damit mich jeder kennt, wenn er speziell nach meinem Haus sucht. ;-)

    ps.: Jasmin, du muss noch deine Adresse verraten. Wobei, in Deutschland wird es schwrieger sein ein Haus unter den Verpixelten zu finden, als Häuser, die man klar erkennen kann.

    Posted by Patrick Wienecke | August 20, 2010, 00:27

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